Bauch oder Kopf?

Wer mich kennt, weiß um meine Entscheidungsfreudigkeit. Ich habe grundsätzlich zu allem eine Meinung und weiß für gewöhnlich immer, was ich will – oder nicht. Die letzten Tage fühlte ich mich allerdings bei einem Thema hin und hergerissen und habe mir den Kopf zermartert, was in dieser Sache wohl richtig ist.

 

Man könnte meinen: Als Geschäftsführer eines Unternehmens mit 20 Prozent Wachstum jährlich, einem laufenden Neubau der Firmenzentrale für 3 Millionen Euro, zahlreichen Ehrenämtern und einer Familie mit fünf Kindern, bin ich die nächsten Jahre durchgehend beschäftigt. Passt da noch ein Amerika-Aufenthalt von 9 Tagen im kommenden Monat dazwischen? Dabei habe ich das Bedürfnis mich jetzt schon zweizuteilen… Aber andererseits: Wann wird es je anders? Und noch viel wichtiger: Ich weiß jetzt schon: Die Erkenntnisse daraus werden uns maßgeblich weiterbringen.

 

Obwohl es letztes Jahr nicht weniger turbulent war, habe ich mit einigen Führungskräften bereits eine Amerika-Reise unternommen. Ins Silicon Valley, der berühmten Heimat unzähliger Unternehmen aus der IT- und Hightech-Branche. Die Stanford University war die treibende Kraft hinter der Entwicklung des Silicon Valley. Der Dekan Frederick Terman, gilt heute als Vater des Silicon Valley, denn schon kurz nach Gründung des Technologieparks zogen die ersten Unternehmen ein, in erster Linie solche, die von Stanford-Absolventen gegründet worden waren. Kurz darauf folgten Computerbauer und Softwarefirmen. Eines der Kennzeichen der Entwicklung des Silicon Valley ist, dass sich die hier ansässigen Firmen gegenseitig weiter bringen, indem Produkte entwickelt werden, die anderen Unternehmen nützlich sind.

 

Und genau in diese Richtung geht auch meine Geisteshaltung. Wo liegt der Mehrwert unserer Arbeit? Wie können wir den Kundennutzen erhöhen? Und eine der wichtigsten Fragen, die mir Amerika schon letztes Jahr angefangen hat zu beantworten: Wie gelingt eine demokratische Unternehmensführung. Denn da schließt sich der Kreis wieder: Wären wir hier noch weiter entwickelt, bräuchte ich schon mal nicht darüber nachdenken, ob die Firma 9 Tage ohne mich auskommt – was mir eine unheimliche Freiheit schenken würde. Und genau diese Überlegung hat mich heute zu dem Schluss kommen lassen: wir fliegen! Denn was sind ein paar Tage gegen den Rest des Lebens, in dem wir davon profitieren werden.