Zwei mich prägende Bücher – Teil 1 –

Meine Büchersammlung wächst kontinuierlich, denn ich empfinde es als besondere Qualität, mir auch Zeiten einzuplanen, in denen ich ein Buch lese. In letzter Zeit haben mich zwei Werke bewegt. Ähnlicher Inhalt, aber die Autoren gehen in zwei völlig verschiedenen Varianten mit dem Thema um: Egal in welcher Situation, man hat immer eine Entscheidungsmöglichkeit. Heute schreibe ich über: „Trotzdem ja zum Leben sagen“ von Viktor Frankl und nächste Woche von „Fish“.

Die geistige Freiheit

Der Autor verfasste sein Werk 1945, als er als Jude selbst Häftling in mehreren KZs war und sich dort mit der menschlichen Psyche befasst hat. Demnach konnte er bei den haftierten Menschen 3 Phasen des Leides feststellen: Zuerst trat bei ihnen eine gewisse Lähmung ein, weil sie nicht fassen konnten, was sie sehen und erleben. Bereits hier fällt auf, dass die Betroffenen ganz verschieden reagieren. Einige legten  Galgenhumor auf, andere wurden neugierig und ein Teil beging sofort Selbstmord.

 

Man empfindet als Glück, was einem erspart bleibt.

In Phase 2 kehrt der Alltag und die Abstumpfung ein. Die Häftlinge konzentrieren sich zwangsläufig auf das Überleben, Selbstschutz und Mangelernährung führen zu einer gewissen Apathie – körperlich und seelisch. Körperlicher Schmerz wird nicht mehr so wahrgenommen, anfänglicher Ekel stumpft ab, es schweigt der Sexualtrieb und das Interesse an Kultur und Zerstreuung verschwindet. Laut Viktor Frankls Analyse ist  für das Überleben nicht unbedingt besondere körperliche Fitness entscheidend, sondern das Akzeptieren der Situation. Sobald man einen Sinn im Leiden sieht und Leiden als Leistung annimmt, verbessere sich die Chance des Überlebens erheblich.

 

Die Befreieung

Den Weg von seelischer Hochspannung zum Seelenfrieden kann man auch verschieden gestalten. Viele Ex-Häftlinge hatten Rachegedanken und ließen sich davon leiten. Andere wurden durch den Aufenthalt bitter in ihrer Persönlichkeit und ein Teil konnte seinen Seelenfrieden finden: nämlich wer nichts nach der Befreiung erwartete. Bei der Rückkehr in Familie oder Firma hatte sich die Situation oft grundlegend geändert, aber mit viel Kraft und Geduld konnte eine Annäherung erfolgen und dann die Sozialisation.

 

Vor 70 Jahren verfasst und doch aktueller denn je

Dieser Lesestoff hat mir wieder mehr verdeutlicht, dass der größte Hebel im Leben eigentlich im Kopf sitzt und wir ganz einfach selbst und jedes Mal aufs Neue entscheiden können, wie wir mit welcher Situation umgehen und was wir daraus machen. Sogar meine Kinder haben das bereits verstanden: Ich habe ihnen erklärt, dass sie jetzt entweder traurig sein können, dass wir nach nach 4 Studen im Schwimmbad nun wieder nach Hause fahren, oder sie könnten sich freuen, dass wir dort gewesen sind. Funktioniert und therapiert…