Warum mich das Montessori-Konzept überzeugt

Bei 5 Kindern rentiert sich die Auseinandersetzung mit dem Thema „Schulwahl“ gleich mehrfach. Schon 2 Jahre bevor unser ältester Sohn zur Schule kam, habe ich mich intensiv und immer wieder aus verschiedenen Blickwinkeln mit diesem Thema beschäftigt. Natürlich wollte ich, wie wahrscheinlich jeder Vater, das individuell „richtige“ Schulmodell für jedes unserer Kinder auswählen.
Maria Montessori – eine der ersten Frauen mit Medizinstudium und Promotion
Während den Anfängen ihrer beruflichen Laufbahn arbeitete Maria Montessori auf einer psychiatrischen Abteilung eines Kinderkrankenhauses. Im Laufe der Therapie stellte sich jedoch heraus, dass diese Kinder keineswegs geistig unterentwickelt waren, sondern ihnen bislang nur jegliche Förderung gefehlt hatte. Maria Montessori entwickelte spezielle Arbeitsmaterialien, das „Sinnesmaterial“, mit dem es ihr gelang, die Kinder zu stimulieren, ihre Neugier zu wecken und ihre Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit anzuregen.

 

Die Montessori-Theorie in Kürze: Hilf mir, es selbst zu tun
Die Montessori-Methode stellt das Kind und seine Individualität in den Mittelpunkt. Die Pädagogik konzentriert sich auf den Eigenwert, die Bedürfnisse, Talente und Begabungen des einzelnen Kindes. Man ist der Überzeugung, dass Kinder am besten in ihrem eigenen Rhythmus und in ihrer eigenen Art lernen. Die Kinder werden dazu ermutigt, das Tempo, das Thema und die Wiederholung der Lektionen selbstständig zu steuern. Das Leitmotiv der Methode ist die Pflege der natürlichen Freude des Kindes am Lernen. Montessori sieht keine Belohnungen vor. Das Ziel ist vielmehr, Kinder so zu fördern, dass sie ganz natürlich aus ihrer eigenen Motivation lernen WOLLEN. Vor allem deshalb, weil es in ihrer Natur liegt, am (erwachsenen) Leben teilhaben zu wollen. Mit Respekt und Achtung begleitet, führt die Montessori-Pädagogik die Kinder zu in sich ruhenden und ausgeglichenen Persönlichkeiten.

 

Echte Persönlichkeiten
Überzeugt hat uns neben der Theorie auch der Eindruck in der Schule. Wir waren beim Tag der offenen Tür, beim Probe-Schultag, bei der Schuleinschreibung selbst und bei weiteren Gelegenheiten dort. Was sofort auffällt, ist der freundliche und offene Umgang und die konstruktive Stimmung. Kaum hatte ich das Schulhaus betreten und wollte mich etwas umsehen, hat mich schon der erste Schüler gefragt, ob er mir denn etwas helfen könne. Und es taten ihm noch viele gleich. Auch im Gespräch mit den Schülern stellte sich heraus, dass diese keinerlei Hemmungen haben, mit Erwachsenen ein Gespräch zu führen. Vielleicht kommt es auch daher, dass die Kinder alle Lehrer/innen mit Vorname und Du ansprechen. Pro Familie müssen im Schuljahr immer 30 Stunden Elternarbeit geleistet werden. Ich habe mit den Schülern eine Grundreinigung und Beschichtung des Bodens im Musikzimmer der Montessori-Schule durchgeführt. Auch während der Zusammenarbeit mit den Jugendlichen ist mir deren aufgeschlossene und freundliche Art besonders aufgefallen. Ich dachte mir: so sollen unsere Kinder später einmal sein und wir sind auf einem guten Weg dorthin.

 

Unsere Erfahrungen
Bei Benedikt hat Druck immer schon zu Gegendruck geführt. Auf der Montessori-Schule können die Kinder ohne Druck lernen und kommen auch zum Ziel. Durch die viele Freiarbeit üben sie eigenständiges Arbeiten und das Lernen macht immer Spaß, weil sie sich ihr sogenanntes Material, also das womit sie etwas lernen wollen, selbst aussuchen können. Es gibt keine Noten, aber dafür sehr ausführliche und wohlwollende Bewertungen. Benedikt geht vom ersten Tag an wahnsinnig gerne zur Schule, steht freiwillig auf, hat tolle Freunde gefunden und übt öfters mal freiwillig zu Hause. Täglich Hausaufgaben zu machen, bei vier kleineren Geschwistern wären ohnehin eine harte Herausforderung, aber das sieht Montessori nicht vor. Am schönsten finden wir einfach, dass die Kinder hier nicht als unfertige Erwachsene behandelt werden, sondern als Persönlichkeiten in einem kleinen Körper- so wie wir das auch sehen.