Alles Ansichtssache

Als meine Familie und ich den Bau der Kletterei gewagt haben und das Gebäude samt unserer Wohnung fertiggestellt war, konnten wir einziehen. Endlich – wir hatten uns schon so darauf gefreut. Alles neu, alles auf modernem Standard, hübsch eingerichtet… Ein Traum.

Allerdings war es schon die ersten Tage sehr gewöhnungsbedürftig für uns als Familie, die wir vorher in einem klassischen Haus mit Garten gewohnt haben, mitten in einem Gebäude zu leben, in dem immer was los ist. Seitdem ist es keine Seltenheit, dass Kollegen aus der Kletterhalle an der Wohnungstür klingeln, weil unten eine Glühbirne defekt ist, in der Hoffnung, wir haben oben Ersatz.

Oder Kollegen aus der Gebäudereinigung, die sich Kaffee über die Bluse geschüttet haben und darum bitten, sich ein Oberteil ausleihen zu können. Natürlich auch Kunden oder Bewerber, die bei uns privat klingen, wenn im Büro keiner mehr ist. Nicht zuletzt hören wir in der Wohnung alles Mögliche, was im Haus so vor sich geht, dies ist dann vor allem am Sonntagmorgen, wenn wir mal ausschlafen wollen und ab 7 Uhr ein Routenbauer die Halle umbaut, nicht ganz so schön.

Zuerst war ich aufgrund der Situation wirklich betrübt, weil ich mir dachte, das hier war ein Riesenfehler. Nie wieder seine Ruhe, nie wieder „Feierabend“, keine Privatperson mehr, sondern immer im Dienst der beiden Firmen.

Meiner Frau und mir ist es dann gelungen, das Ganze ins Positive zu wenden: Vorgeschichte dazu ist, dass ich in einer Landwirtschaft aufgewachsen bin. Meine Assoziation ist deshalb ein Bauernhof. Da kennt man auch keinen Sonntag, Arbeit und Freizeit verschmelzen, das Hobby ist zum Beruf geworden und als Bauer und Bäuerin ist man erstmal für alles verantwortlich. Aus dieser Perspektive kann ich unserer Situation sehr viel Positives abgewinnen.

Da hatte ich allerdings die Rechnung noch ohne meine Familie gemacht. Denn die war der Meinung, zu einem Bauernhof gehören zwangsläufig Tiere. Natürlich ein Pony (noch besser wäre allerdings ein Einhorn). Nachdem ich mich gegen ein Pferd erfolgreich gewehrt habe, erreichte mich der Kompromissvorschlag „Zwerghasen“. Was will man machen, wenn sich fünf Minimenschen vor dich hinsetzen und mit großen Augen sagen: „Biiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitte, Papaaaaaa?“

 

Kurz: Jetzt sind wir stolze Besitzer von fünf Hasen. Einer reicht selbstverständlich nicht, es müssen fünf sein. Für jedes Kind einen… Warum verdammt habe ich ihnen das „Verhandeln“ nur beigebracht.