Ambulant vor stationär – und andere Pflege-Regeln

Aus aktuellem Anlass formuliere ich in meinem heutigen Beitrag meinen Standpunkt zum Thema „Pflege in der heutigen Zeit“. Im Landsberger Tagblatt heute, am 31.03.2016, ein großer Artikel über das Sozialzentrum St. Martin in Landsberg erschienen, darüber wie dieses zurück zu seinen Wurzeln – der ambulanten Pflege – findet. Während meiner Tätigkeit seit 2013 als Aufsichtsrat in diesem Unternehmen konnte ich mir einen weitreichenden Einblick in die aktuelle Pflegebranche verschaffen:

 

Einen alten Baum verpflanzt man nicht
Im klassischen Pflegeverlauf eines alten Menschen startet die Pflegebedürftigkeit mit einem Ereignis, wie zum Beispiel einem Sturz/Fraktur oder einer Lungenentzündung, nach dem der Mensch auf Hilfe angewiesen ist. Häufig lässt sich dies durch den temporären Einsatz eines ambulanten Pflegedienstes kompensieren. Der „Patient“ kann also in seinem gewohnten Umfeld bleiben und wird im besten Fall bald auf dem Weg zur Genesung sein. Die Chancen stehen gut, dass der Gesundheitszustand danach wieder so gut wie vor der Krankheitsphase wird. Im schlechteren Fall wird der Patient ohne die Hilfestellung durch das Pflegepersonal nicht mehr zu Recht kommen und täglich auf ihren Besuch angewiesen sein. Auch hier bleibt die Lebensqualität für den alten Menschen erhalten, da er in den eigenen 4 Wänden wohnen bleiben kann.

 

Bürokratiedschungel
Neben der Organisation der tatsächlichen Pflege ist das Zurechtkommen im bürokratischen Bereich eine echte Herausforderung. Eine Pflegestufe muss beantragt werden, die Anschaffung von Hilfsmitteln wie zum Beispiel einem Pflegebett soll getätigt werden, vielleicht wird eine monatliche Verordnung bestimmter Pflegeleistungen (tägliche Messung des Blutzuckers) durch den Hausarzt benötigt… Die Königsdisziplin ist dann ggf. noch die Beantragung von Betreuungsleistungen in gewissen Fällen. Hier bekommt der (demenzkranke) Mensch soziale Betreuung quasi auf Rezept. In diesen Fällen helfen Pflegeberater unkompliziert und kompetent gerne weiter (auch das ist eine Leistung der Kranken- und Pflegekassen).

 

Wenn es doch sein muss…
Wenn es dem Patienten im Laufe der Zeit oder wegen einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes irgendwann nicht mehr möglich ist, alleine zu leben und ein Umzug ins Pflegeheim erforderlich ist, gibt es auch hier Möglichkeiten, das Beste daraus zu machen. Die Wahl der Einrichtung ist „Herzenssache“, oft ist die Benotung des Pflegeheimes nach dem Schulnotensystems durch den MDK nämlich (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) wenig aussagekräftig. Der Ort des Pflegeheims sollte klug gewählt werden, z.B. in Stadtnähe wegen der Infrastruktur. Sprechen Sie mit der Einrichtung, ob eigene Möbel mitgebracht werden können, so bringen Sie das „zu Hause-Gefühl“ gleich mit. Aus meiner Sicht ist besonders wichtig, dass das Pflegeheim die individuellen Ressourcen des Menschen fördert und erhält („aktivierende Pflege“). So wird die größtmögliche Selbstständigkeit gewahrt und damit das Wohlbefinden des Menschen.

Mir fallen in unserer Münchner Gebäudereinigung immer wieder Parallelen zur ambulanten Pflege auf. Es handelt sich in der Gebäudereinigung ähnlich wie in der Pflege um eine Dienstleistung, die vor Ort beim Kunden durchgeführt wird. Wie alles rund um das Thema „Mensch“, geht es dabei vor allem um zwischenmenschliche Beziehungen. Dazu allerdings in der kommenden Woche mehr…