Blätter, die die Welt bedeuten

Menschen sind generell Gewohnheitstiere und ich bin es insbesondere. Am Besten geht es mir, wenn ich nach einer Nacht im eigenen Bett aufstehen kann und als erstes meinem Lieblingsritual nachgehen kann: Dem Zeitung-Lesen. Ich schlurfe dann noch halb verschlafen raus zur Zeitungsbox. Und da wartet es schon auf mich: Zusammengerollt, wettergeschützt und druckfrisch duftend: Das Landsberger Tagblatt.

 

Und dann sitzen wir da: In trauter Dreisamkeit, die Zeitung, der Kaffee und ich. Immer am selben Platz des Tisches. Natürlich die Stirnseite. Meine Frau behauptet, ich wäre in der nächsten halben Stunde nicht mehr ansprechbar. Ich lese das Printmedium eben ernsthaft konzentriert. Und zwar nicht von vorne oder wie viele Bekannte von hinten herein. Sondern ich beginne mit dem Regionalteil. Was interessiert mich die Weltpolitik, wenn ich nicht vorher weiß, was vor der Haustüre passiert. Danach natürlich umso mehr.

 

Aufs Feeling kommt es an

Ständig besuche ich Messen, Konferenzen Workshops zum Thema Digitalisierung. Für die Gebäudereinigung Wasserle aus München sind diese Themen unbenommen wichtig und wir setzen diese auch kontinuierlich um. Allerdings kommt für mich eine Sache sicherlich nicht in Frage. Eine digitale Zeitung. Es gibt das LT als E-Paper, das man dann am PC oder Tablet lesen kann. Aber damit geht ja ein Großteil des Events verloren. Es geht hier schließlich nicht um die reine Aufnahme von Informationen. Viel schöner ist doch das Gefühl, wenn man die dünnen Seiten voneinander trennt und umblättert; der Geruch von Druckertinte auf jeder Seite und die Funktion der Zeitung, wie sie als Tellerersatz dient und alle Krümel der Frühstückssemmel geduldig auffängt.

 

Die rettende Notlösung

Für Tage an denen ich schon sehr früh aufbrechen, zum Beispiel weil ich schon um 6:45 an der Baustelle in Kaufering sein muss, habe ich eine Notlösung erarbeitet. Ich nehme die Zeitung dann ungelesen mit ins Auto und nutze eine Gelegenheit unterm Tag, um sie mir einzuverleiben. Allerdings führt das dann zu einem Folgeproblem: Die Zeitung ist dann weg. Ritual meiner Frau und meiner Kinder ist aber das gemeinsame Zeitungslesen nach dem Mittagessen, auf das sie nicht verzichten wollen. Aber ich weiß ja, wie schön so ein Ritual ist.

P.S.: Liebe Familie, wenn ihr mich wieder so richtig ärgern wollt, könnt ihr ja nochmal samstags, bevor ich aufstehe, die aktuelle  Zeitung als Malunterlage für die Acrylfarben verwenden.